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Ansprüche Freigängerkatze im Vergleich zur Wohnungskatze

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[Gastartikel] Was die Katze nicht kennt, vermisst sie nicht. Stimmt diese Aussage, dass man etwas nicht vermissen kann, wenn man es nicht kennt? Diese Gedanken schienen uns bei dem Thema „Freigänger vs. Wohnungskatze“ treffend. Natürlich ist dieses Zitat in erster Linie auf uns Menschen bezogen, wir finden jedoch, dass man es auf ein Katzenleben übertragen kann, zumal wir es mit intelligenten und sensiblen Lebewesen zu tun haben. Unserer Meinung nach lautet die Antwort, sie vermissen es vielleicht nicht, sehnen sich aber nach dem Unbekannten! Die Sehnsucht regt die Fantasie an und lässt dabei ungeahnte Kräfte frei.

Beobachtet man Freigänger- und Wohnungskatzen über einen längeren Zeitraum und versucht, ihre Natur zu verstehen, wird man feststellen, dass sie unterschiedliche Ansprüche haben. Wir haben sie miteinander verglichen und die Vor- und Nachteile zusammengefasst.

Freigänger vs. Wohnungskatze – Gegenüberstellung wichtiger Aspekte

Freiheit vs. Gefangenschaft

Das Schönste im Leben einer Freigängerkatze ist, dass sie die meiste Zeit draußen herumstreunen kann. Während sie draußen frei, zwanglos und eigenverantwortlich ihre Runden dreht, sitzt der Stubentiger in der Wohnung und schaut sehnsüchtig auf die Welt hinter der Fensterscheibe. Der Freigänger genießt seine scheinbar vollkommene Freiheit in vollen Zügen und würde im Falle einer plötzlichen ‘Gefangenschaft’ leiden. Das Leben außerhalb der Wohnung ist eben wesentlich spannender und aufregender.

Inmitten täglicher Erkundungstouren lernt die Katze ständig neue Geräusche und unbekannte Gerüche kennen und kann diese nach Katzenart auf sich wirken lassen. Trifft sie unterwegs einen Artgenossen, stärkt das ihr Sozialverhalten.

Die vertraute Umgebung der Wohnungskatze hingegen beschränkt sich lediglich auf ein paar wenige Quadratmeter. Sie kennt jedes noch so kleine Detail in ihrem Umfeld und kleinste Veränderungen können bereits Unwohlsein bei ihr hervorrufen. Besucher können eine willkommene Abwechslung sein. Neue, unbekannte Gerüche sind immer interessant und vielleicht ist auch mal ein Gast dabei, der etwas Leckeres zum Essen dabei hat. Natürlich hat jede Katze ihren eigenen Kopf und unterscheidet sich im Charakter von ihren Artgenossen. Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass Stubentiger zutraulicher und schmusiger als Freigänger sind.

Gefahren und Risiken

Viele der von Versicherungsgesellschaften und Tierschützern erstellten Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Freigänger leben artgerechter, haben dafür jedoch eine deutlich geringere Lebenserwartung gegenüber Stubentigern. Eindeutig sind die Katzen draußen größeren Gefahren ausgesetzt. Vor allem Autos können Katzen schwer verletzen. Giftige Pflanzen, Gift im Allgemeinen und andere Tiere gehören ebenfalls zu den ständigen Risikofaktoren. In ländlicheren Regionen ist das Schießen von Katzen durch Jäger ein großes Problem. Mit dem verärgerten Nachbarn, der in dem Freigänger einen “Vogelmörder” oder den “Schmutzfink der Blumenbeete” sieht, ist oft auch nicht gut Kirschen essen.

Es sind aber auch übertragbare Krankheiten oder Verletzungen bei Revierkämpfen, die zu den Risiken einer Freigängerkatze zählen. Eine reine Wohnungskatze lebt im Vergleich viel sicherer. Wenn wir Menschen aber die heiße Herdplatte anlassen oder gedeckte Tische zugänglich machen, ist auch das Leben drinnen nicht risikofrei. Bedeutungsvoll ist das Thema Fenster, vordergründig Fenster auf Kipp oder hoch liegende Fenster. Die ausgehende Gefahr offener Fenster wird immer wieder unterschätzt und ist dabei doch Risikofaktor Nummer 1. Hier können Katzenhalter mit entsprechenden Vorrichtungen vorbeugen und die Vierbeiner schützen.

Schließlich sind die Tiere in beiden Haltungsmodellen Gefahren ausgesetzt. Wird aber eine Wohnungskatze krank oder verletzt sich gar, können wir natürlich viel schneller reagieren und für entsprechende Hilfe sorgen. Verletzt sich ein Freigänger, warten wir zu Hause vergebens, ohne zu wissen, was ihm zugestoßen ist und können nichts unternehmen.

Gefahren, die von Katzen ausgehen

Auch, wenn wir den Ansprüchen des Freigängers nachkommen und ihm die geforderte Freiheit bieten, ist eine Katze “ein Wolf im Schafspelz”. Jeder kennt die hitzigen Gespräche über heimische Wildvogelbestände, die durch die Freigänger in Gefahr sind. Eine Katze ist und bleibt ein Raubtier. Nur, weil wir sie zu einem Stubentiger gemacht haben, heißt es nicht, dass wir die natürlichen Instinkte überlisten könnten.

Auch hier übernehmen wir als Katzenhalter die Verantwortung und, um es auf die Spitze zu treiben, haben wir unter Umständen kleine Vögel auf dem Gewissen.

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Wie Katzen davon abhalten, Vögel zu fangen? Erfahre es hier! → Anleitung Vogelfang verhindern

Ernährung

Unabhängig davon, ob Freigänger oder Wohnungskatze, ist der Anspruch in Bezug auf Ernährung unterschiedlich. Frei laufende Katzen erbetteln sich häufig in der Nachbarschaft ihr Fresschen. Das beherrschen sie so gut, dass am Ende keiner merkt, wenn es sich um einen Wiederholungstäter handelt. Das arme Kätzchen … heißt es dann …

Nur, dass es die dritte, vierte Mahlzeit ist, ungeachtet der gejagten Mäuse, ahnen die wenigsten. Natürlich ist das Hungergefühl vom Erfolg des Jagens abhängig, aber was soll’s… Zu Hause warten doch immer, ein Napf mit Wasser und eine “warme Mahlzeit” auf die Katz! 😉

Während eine Mausmahlzeit für einen Freigänger auf jeden Fall ein Gaumenschmaus ist, kann es für eine Wohnungskatze unter Umständen nicht besonders bekömmlich, gar gefährlich sein. Das hängt mit ihrem schwächeren Immunsystem und häufig vorhandenen Allergien zusammen.

Wichtig ist die ausgewogene und artgerechte Ernährungsansprüche eines Freigängers oder einer Wohnungskatze zu beachten. Dies bedeutet, dass das Katzenfutter einen möglichst hohen Fleischanteil hat, gar komplett aus Fleisch besteht. Katzen sind aufgrund ihrer Natur Raubtiere und damit sogenannte Karnivoren.

Katzentoilette

Bei dem Thema Toilette zeigt sich, wie praktisch es ist, nicht mehrmals das Katzenklo putzen zu müssen. Die Freigänger “erledigen” ihr Geschäft gerne draußen, die Wohnungskatzen haben wiederum keine andere Wahl. Aus dem Bekanntenkreis wissen wir, dass die Freigänger dann doch gerne nach Hause kommen und am Ende die saubere Toilette im Warmen bevorzugen. So sind sie eben, wirklich sehr unterschiedlich und haben, wie wir Menschen unterschiedliche Ansprüche. :))

Spieltrieb

Bei der Wohnungskatze ohne Ausgang ist es notwendig, sie zu beschäftigen und dafür zu sorgen, dass sie sich nicht langweilt und ausreichend Bewegung hat. Anderenfalls sorgt das für Depressionen oder Aggressionen und in Kombination mit falscher Ernährung führt es leider schnell zu Übergewicht.

Auch, wenn jede Katze ihre “3 Minuten” mehrmals täglich auslebt, in denen sie plötzlich wie ein Torpedo durch die Gegend flitzt, ist das Animieren zum Spiel durch den Menschen essenziell. Damit zeigen wir Interesse an unserem felligen Familienmitglied und vertiefen die Bindung. Sind wir Menschen unterwegs, bringen Kratzbäume, Klettermöbel, Spielzeug sowie Rückzugsmöglichkeiten eine Möglichkeit für die Katze, sich auszutoben. Da haben es die Besitzer von Freigängern deutlich leichter, weil sich die Katze draußen in der Freiheit auspowern kann.

Was wunderschön bei einer Freigängerkatze ist, ist, dass sie ihren natürlichen Spieltrieb ausleben kann. Sie kann sich draußen leise anpirschen, jagen, faulenzen oder einfach schlafen, wo auch immer sie will. Es kommt nicht selten vor, dass die Katze mehrere Tage “aushäusig” ist. Für uns Besitzer ist es meistens beunruhigend, wenn die Katze länger weg ist als üblich. Würde ihr etwas zustoßen oder sie würde nicht zurückkommen, wäre das für jeden von uns natürlich ein Albtraum! So ist es zu überlegen (je nach persönlicher Möglichkeit), ob man den Bereich, wo die Katze herausgehen kann, einfach sichert. Hier gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten. Informieren im Baumarkt oder im Gartencenter bringt einen auf jeden Fall weiter.

Vermehrung

Bei dem Punkt Vermehrung kommen wir zum Kastrieren der Katzen. Sorgen wir dafür, können sich die Fellnasen nicht unkontrolliert vermehren, und zwar sowohl bei den gut behüteten Wohnungskatzen als auch bei den Freigängern. Selbst, wenn die Katzenpopulation in Deutschland beherrschbar ist, schlagen die Tierschützer Alarm. Es wäre wünschenswert, dass die Politik dem Tier zuliebe hier endlich starre Gesetze ändert oder neue Gesetze schafft. Zum Beispiel, indem sie die Besitzer deutschlandweit zu Kastrationen verpflichtet. Aktuell gibt es nicht in allen Städten oder Gemeinden eine Kastrationspflicht. Unabhängig davon ist jedem zu empfehlen, in eigener Verantwortung und ohne Druck von “oben” zu handeln.

Jeder von Euch kennt sicherlich in diesem Zusammenhang groß angelegte Aktionen, bei denen das Land die Kastrationen von frei lebenden Katzen unterstützt. In Schleswig-Holstein war das am 14. Februar 2022 der Fall. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Tiere nicht in fester menschlicher Obhut befinden. Wer mehr über das Thema erfahren möchte, klickt einfach auf diesen Link: Aus einer Katze werden nach einem Jahr 35

Gesetzeslage/Rechtliches — Tipp

Bislang gibt es unseres Wissens kein allgemeines Gesetz in Deutschland, welches verbieten würde, Katzen frei herumlaufen zu lassen.

Deswegen ist das Thema der Haftung bei eventuellen Schäden, die durch unsere Vierbeiner verursacht werden, nicht unerheblich. In § 833 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) ist festgelegt, dass der Halter einer Katze für alle Schäden, die das Tier verursacht, haftet. Die private Haftpflichtversicherung deckt auch durch Katzen entstandene Schäden ab. Für einen Hund dagegen bräuchte man schon eine Tierhalterhaftpflicht-Versicherung.

Als Mieter einer Wohnung, ist es auch ratsam zu klären, ob der Eigentümer damit einverstanden ist, dass wir Katze(n) in seiner Wohnung halten. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs ist ein generelles Tierhalteverbot im Mietvertrag nicht erlaubt. Bei einwandfreien Gründen kann der Vermieter es verbieten, wenn er Nachteile für die Wohnung oder die anderen Mieter sieht oder wenn die Wohnung einfach für diesen Zweck nicht groß genug ist. Nach neuen Gerichtsurteilen gelten Katzen im Sinne des Mietrechts allerdings als Kleintiere. Dazu zählen Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen, Ratten, Chinchillas oder Mäuse und sie sind alle auch immer erlaubt.

Fazit Freigängerkatze vs. Wohnungskatze

Aus einem in der Wildnis lebenden Tier ist über Jahrtausende und Jahrhunderte eine sanfte und auf der Couch lebende Miezekatze geworden. Der Instinkt, im tiefsten Inneren einer Katze, lässt sich dennoch nicht beirren. Bei der nächsten Gelegenheit wäre jede Katze froh, mehr Freiheit zu haben. Nun darf die eine herausgehen, für die andere wurde entschieden, dass sie mit dem Menschen in (s)einer Behausung lebt.

Das Leben kann auch für beide schön sein. Was ist jetzt besser für das Tier?

Trotz aller Annehmlichkeiten des modernen Katzenlebens steht das Wohl der Tiere im Vordergrund. Wir alle haben dafür zu sorgen, dass es jeder Katze (und jedem Tier), welches wir aufnehmen, einfach gutgeht. Wir tragen eine große Verantwortung dafür, das Machbare zu tun, um das Tierleben so artgerecht wie möglich zu gestalten. Unabhängig davon, ob das Tier ohne Ausgang oder als Freigänger lebt, hat auch eine Katze den Anspruch ein gutes Katzenleben zu haben.

Ist jeder Mensch auf die Ansprüche einer Katze bereit? Diese Frage sollte sich jeder stellen, der mit dem Gedanken spielt, ein Tier in sein Leben zu lassen. Es sollte immerhin eine Entscheidung fürs Leben sein, für ein Katzenleben.


Autorin Gastbeitrag: Dies ist ein Gastartikel von GreenTyger (Patrycja, Mickey und Simba), ein Katzenblog über nachhaltige Themen und Testberichte. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, unseren Artikel zu lesen. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, freuen wir uns sehr darüber! Es würde uns besonders glücklich machen, wenn du uns weiterempfiehlst und mal bei uns vorbeischaust: www.greentyger.de

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